Rampen, Aufzüge und Braille-Schilder gehören mittlerweile oft längst zum Alltag, wenn man an Barrierefreiheit denkt. Doch Technologien entwickeln sich rasant weiter – und damit auch die Möglichkeiten, Teilhabe für alle zu schaffen. Junge Designer:innen, Ingenieur:innen und Sozialunternehmer:innen arbeiten weltweit an innovativen Lösungen, die das Leben von Menschen mit Behinderungen erleichtern. Einige spannende Beispiel, die aktuell entwickelt werden oder bereits auf dem Markt sind, stellen wir Ihnen hier vor.
1. Gebärdensprach-Armband: Kommunikation ohne Worte
Dieses Armband übersetzt Gebärdensprache in Lautsprache und umgekehrt. Durch integrierte Sensoren erkennt es kleinste elektrische Muskelimpulse am Unterarm, die beim Gebärden entstehen. Diese Impulse werden in Echtzeit in Lautsprache übersetzt. Gleichzeitig wandelt das Armband gesprochene Worte des Gegenübers in Text um, der gelesen werden kann.
2. Vibrations-Oberteile: Musik erlebbar machen
Für Menschen mit Hörbehinderung ist Musik oft nur eingeschränkt erlebbar. Vibrationsoberteile setzen genau dort an: Diese speziellen Oberteile sind mit Vibrationsmotoren ausgestattet, die Klänge in taktile Reize umwandeln. Hohe Töne sind dann zum Beispiel an den Armen spürbar, tiefe Bässe konzentrieren sich intensiv auf Bauch und Rücken. Dieses Angebot bietet einerseits natürlich die Möglichkeit für Menschen mit Hörbehinderung, Konzerte und Festivals ganz neu zu erleben. Anwendungsbereiche sind aber auch in Musiktherapien oder in der Bildung denkbar.
3. Brain-Computer-Interfaces (BCIs)
Diese Technologien messen Gehirnströme und übersetzen sie in digitale Befehle. Menschen mit schweren motorischen Einschränkungen (z. B. durch ALS oder Querschnittslähmung) können so zum Beispiel Mauszeiger steuern oder per Gedanken kommunizieren. Aber beispielsweise auch zur Konzentrationsförderung als sogenanntes Neurofeedback kann diese Technologie verwendet werden.
4. Sehen mit den Ohren
Auditive Sehhilfen wandeln visuelle Informationen in Klänge um. Eine Kamera erfasst die Umgebung und eine Software übersetzt die aufgenommenen Bilder dann in Echtzeit in auditive Signale, sogenannte „Klanglandschaften“. Nutzende lernen, diese Klänge zu interpretieren und so ihre Umgebung „zu hören“.
5. Prothesen mit Gefühl
Moderne Prothesen gehen weit über reine Funktionalität hinaus. Dank haptischem Feedback können Nutzende nicht nur Gegenstände greifen, sondern auch Druck und Temperatur spüren. Dies ermöglicht ein natürlicheres und präziseres Erleben der Umwelt.
Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Für viele Menschen sind diese Technologien aufregende neue Innovationen. Gleichzeitig sind viele dieser Technologien für den Massenmarkt noch zu teuer. Und auch, wenn diese Technologien die Teilhabe der Nutzenden stärken können, bleibt die Frage, inwieweit diese Menschen die Angebote überhaupt nutzen möchten. Nicht alle Menschen möchten auf Technologien angewiesen sein. Es bleibt somit immer eine individuelle Entscheidung, ob und in welchem Umfang Assistenztechnologien genutzt werden.
Trotzdem ist in Zukunft zu erwarten, dass es immer mehr und immer bessere Lösungen geben wird. Assistenztechnologien werden sehr wahrscheinlich präziser und individueller sowie kleiner, leichter und alltagstauglicher.